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Octopus Garden Band

Die Geschichte der Octopus Garden Band


1. Dieter und die Bands "Beatroots" und "YMIR"

Dieter Seidel (2. von rechts) mit der Band Beatroots 1968 vor der Bio-Baracke in Büsum
Dieter Seidel (2. von rechts) mit der Band "Beatroots" 1968 vor der Bio-Baracke in Büsum
"YMIR"-Plakat von Lothar Bruhn (LOBR) aus Büsum "YMIR"-Plakat von Lothar Bruhn (LOBR) aus Büsum Dieter Seidel 1970 mit der Band "YMIR" am Jugendstrand in Büsum
Dieter Seidel 1970 mit der Band "YMIR" am Jugendstrand in Büsum

Alles begann mit einem Auftritt von "YMIR" 1970 in Büsum am so genannten Jugendstrand. In dieser Gruppe spielte Dieter Seidel E-Gitarre und begeisterte die 15 und 16 Jahre alten Schulfreunde Gerd Wellm, Jochen Papke und Jo Behrens. "So etwas wollten wir auch machen!", schwärmt Papke noch heute. "Ja, ich wollte unbedingt Drummer werden", ergänzt Wellm. Die Jungs kauften sich also Instrumente und trafen sich zu den ersten Sessions in der Garage von Gerds Eltern in der Gartenstraße. "Wir probten fast täglich, hatten sehr viel Spaß und waren hochmotiviert." Bald zogen sie in die ehemalige "Bio(logie)-Baracke" des Nordsee-Gymnasiums am Lehnsweg um. Dort im Probenraum hingen an den Wänden Eierpappen zur Schalldämmung und an der Tafel war groß der Quintenzirkel aufgezeichnet. Im Winter war es immer sehr kalt, geheizt wurde mit einem Gasbrenner. Die coolen Riffs zeigte ihnen dort ihr "Hero" Dieter Seidel persönlich. "Am Wochenende waren die Räume überfüllt mit jugendlichen Zuhörern", erinnert sich Jochen Papke. "Die benachbarte Jugendherberge hatte ihre tägliche Last, die Jugendlichen in die Betten zu bekommen..."


2. Die Gründung der Band "BLURTZ"

Jochen Papke und Jo Behrens gründeten 1974 mit einigen anderen Freunden die Band "BLURTZ". Namensgeber der Gruppe war Addi Münster. In dem Kultcomic "Fritz the cat" stand als Markenname "BLURTZ" auf einer Kiste Bier. Gespielt wurden vornehmlich Hendrix- und Clapton-Songs sowie eigene Kompositionen mit deutschen Texten. "Zum Bühnenauftritt gehörte eine aufwendige Lightshow, die schon Jahre vorher von Jo und seinem Bruder Martin Behrens gebastelt worden war", erzählt der heutige Bassist der Octopus Garden Band, Jochen Papke. "Da es damals in Büsum kein Jugendzentrum gab, entwickelte sich die Bio-Baracke schnell zu einem Jugend- und Szenetreff. Die Gemeinde duldete dies, obwohl es oft wegen der Lautstärke zu Schwierigkeiten mit den Anwohnern kam."

Jochen Papke und Jo Behrens beim der Band BLURTZ
Jochen Papke (links) und Jo Behrens bei der Band BLURTZ

1974 wurde "BLURTZ" vom damaligen Propstei-Jugendwart Nis-Edwin List-Petersen gebeten, seinem Chor als komplette Band beizutreten. Jochen Papke erinnert sich: "Unsere Bandproben fanden regelmäßig wöchentlich in Heide statt. Alle Auftritte wurden bezahlt, und wir lernten viele neue Menschen kennen - vor allem Frauen. Wir hatten eine Menge Spaß bei gemeinsamen Unternehmungen, Konzerten und Freizeiten in Dänemark."

die Band "BLURTZ" in der Bio-Baracke in Büsum
die Band "BLURTZ" 1975 in der Bio-Baracke in Büsum:
von links: Martin Behrens, Jochen Papke, Jo Behrens, Bernd Dreessen (Bassist), Werner Heinrich (Drummer)

1976 wurde mit den "Edwin's Karkens(w)ingers" die LP "wir steh'n auf dünner Erdenhaut" aufgenommen. Dort sind Gerd Wellm als Schlagzeuger, Jo Behrens als Bassist und Trompeter sowie Jochen Papke als Gitarrist, Bassist und Drummer zu hören. "Auf dieser LP gibt es zwei Stücke mit Bach-Variationen, wo Carsten Jasper, Jo und ich spielen", erzählt Papke.

1976 LP Cover "wir steh'n auf dünner Erdenhaut"
1976 - LP "wir steh'n auf dünner Erdenhaut"

Erinnerungen von Carsten Jasper, genannt "Marcus": Das eine Stück von Bach war eine Bearbeitung des Chorals "Jesu bleibet meine Freude". Wir spielten es als Zwischenmusik in einen Gottesdienst, den Oskar Behrens, der erste Kurseelsorger in Büsum, "Abendchoral" nannte. Dieser kam bei den Besuchern so gut an, dass wir gebeten wurden, das Musikstück zu wiederholen. Ein paar Takte wurden in einer ZDF-Sendung über die "Kurseelsorge" tatsächlich als Originalton gesendet. Das versprochene Honorar dafür ist leider nicht bei uns angekommen. Bei späteren Auftritten dieses Trios kam es zu einer Meinungsverschiedenheit zwischen Jochen und mir. Ich wollte das G-Dur Präludium aus dem "Notenbüchlein für Anna-Magdalena Bach" bearbeiten. Da es einem Schlager, der damals populär war, zu ähnlich war, sagte Jochen: "Dann spiel ich nicht mehr mit". Damit trennten sich unsere musikalischen Wege.

Viele BLURTZ-Auftritte veranstaltete die Kurseelsorge während der Sommermonate im Gemeindehaus. Der Film von 1975 drücke sehr gut aus, "mit welcher Begeisterung wir damals alle an den Kurseelsorge-Projekten mitgewirkt haben," erinnert sich Super-8-Filmer Carsten "Markus" Jasper. Auswärtige Konzerte gab die Band in Heide, Wesselburen, Nordhastedt, Marne, Husum, Schleswig, Westerland, Kiel und sogar bei einem Rockfestival am Steinhuder Meer bei Hannover.

1976 Engagementvertrag zwischen der Band BLURTZ und dem Jugendheim Marne
1976 - Engagementvertrag zwischen der Band BLURTZ und dem Jugendheim Marne

3. Super 8 Film

1975 - Super 8 Film über die Band "BLURTZ"

Keine Ton-Dokumente

Leider gibt es offenbar keine original Ton-Dokumente von "BLURTZ". Der damalige Gitarrist der Band, Jochen Papke: "Alles, was ich auf Tonbandgerät oder Cassetten-Recorder aufgenommen habe, ist leider nicht mehr vorhanden."

Jochens Gitarre aus dem Probenraum

Jochen Papke erzählt: "Diese Gitarre habe ich selbst gebaut. Ich bekam eine uralte italienische E-Gitarre geschenkt, völlig defekt - jedenfalls die Elektronik. Nur der Hals und einige Hardware-Teile waren noch gut. Von wem ich die Gitarre hatte, weiß ich nicht mehr. Vielleicht aus der Tanzmucker-Szene.

Ich habe alles auseinander gebaut und nur den Hals behalten. Irgendwann hatte ich die Idee, eine E-Gitarre zu bauen - so ist diese Gitarre entstanden. Und sie funktionierte!

Das Holz, das in der Werkstatt meines Vaters herumlag, und sein gutes Werkzeug waren damals praktisch der Motor. Und dann meine Respektlosigkeit vor dem Mythos E-Gitarre. Auch die Boxen, die im Film zu sehen sind, haben mein Vater und ich gebaut. Was soll man machen, wenn man das nötige Geld nicht hat?!

Ende der 70er Jahre habe ich diese Gitarre wieder zerlegt, weil ich mir eine neue bauen wollte. Doch dazu kam ich leider nie. Den Hals schenkte ich 1993 einem ehemaligen Konfirmanden und Gitarrenschüler aus Eckernförde, der heute ein sehr guter Gitarrist ist und mir 2011 berichtete, dass er sich eine eigene Gitarre mit diesem hervorragenden Hals gebaut hat."

Der "Ruuchlitzenhügel"

Ein beliebter Treffpunkt für die Büsumer Szene war Mitte der 70er Jahre - wie im Film gut zu sehen - das Deichstück an der Hafen-Stöpe. "Ruuchlitzenhügel" schimpfte der Volksmund diesen Ort. Das plattdeutsche Wort "ruuch" steht für ungepflegt, rau. "Ruuchlitzen" waren also die, auf die man gern mit dem Finger zeigte, die "anrüchigen, ungepflegten Gestalten", "Nichtstuer" und "Kiffer". Die "langhaarigen Bombenleger" trafen sich dort im Sommer täglich. Die Nähe zur Eisdiele und zu zwei Imbissbuden mit Pommes und Bier sowie der Ausblick auf den Hafen und das Treiben der Urlauber waren ein echtes Erlebnis. Auch akustische Musik-Sessions fanden dort statt.

1974 auf dem "Ruuchlitzenhügel"
1974 - Auf dem Büsumer "Ruuchlitzenhügel" - © Frank Heberlein
2018 OGB auf dem "Ruuchlitzenhügel" vor den Auftritt im OCTOPUS
2018 - 44 Jahre später: Warten auf unseren Auftritt zum 35jährigen Jubiläum des "OCTOPUS" und in Erinnerungen schwelgen auf dem Büsumer "Ruuchlitzenhügel" (von links: Jochen Papke, Gerd Wellm, Jo Behrens, Wiebke Reißig-Dwenger, Sönke Dwenger, Dieter Seidel, Harald Keller)

Super-8-Filmer Carsten Jasper

Carsten Jasper aus Büsum war Keyboarder bei "YMIR". Er trat unter dem Pseudonym "Marcus" auf - und so wurde er auch immer genannt. Jasper hatte Unterricht bei Ursula Berndt genommen. Ursula Berndt war nach dem Krieg nach Büsum gekommen und hatte sich dort als Musiklehrerin niedergelassen. Nebenbei machte sie Tanzmusik im Kinosaal "Stadt Hamburg" in der Kirchenstraße in Büsum, und zwar mit dem damals in Büsumer Deichhausen internierten Soldaten Paul Kuhn! Ursula Berndt geigte, Kuhn spielte Klavier und sang. Jochen Papke nahm von 1966 bis 1976 Akkordeon-Unterricht bei Ursula Berndt.


4. Dieter und die Band "Backbord"

Dieter Seidel war nie in der damaligen Band "BLURTZ". Schon 1973 zog seine Band "YMIR" in eine WG nach Halstenbek bei Hamburg und nannte sich ab 1975 "BACKBORD". Dieter absolvierte mit seinen Formationen aber bundesweit Auftritte, unter anderem im legendären "Onkel Pö" in Hamburg und spielte 1978 bei "Rock gegen Rechts" in der Essener Grugahalle und 1976 bei den Weltjugendfestspielen in Havanna auf Kuba und hatte dort in dem Zusammenhang auch einen Auftritt im Fernsehstudio für die Magazinsendung "Buenas Tardes!". Sie brachten auch die LP "BACKBORD - Rock live" heraus.

Dieter mit "Backbord" im "Onkel Pö" in Hamburg Dieter mit "Backbord" im "Onkel Pö" in Hamburg Dieter mit "Backbord" 1978 in der Essener Grugahalle
Dieter mit "Backbord" 1978 in der Essener Grugahalle
Plakat 1978 "Rock gegen Rechts" in der Essener Grugahalle Plakat 1978 "Rock gegen Rechts" in der Essener Grugahalle Dieter mit "Backbord" 1978 im Fernsehstudio für die Magazinsendung "Buenas Tardes!" in Havanna auf Kuba Dieter mit "Backbord" 1978 im Fernsehstudio für die Magazinsendung "Buenas Tardes!" in Havanna auf Kuba LP der Band "Backbord" LP der Band "Backbord"
Dieter Seidel (auf allen Fotos links) mit der Band "Backbord" im "Onkel Pö", der Essener Grugahalle und in Havanna, LP-Cover

5. Jochen, Jo und die Kirchentage

Beim 25. Deutschen Evangelischen Kirchentag in München 1993 waren Jo Behrens und Jochen Papke in der international besetzten Band für das offizielle Musikprogramm. Dazu waren sie zuvor im Tonstudio zur Produktion der offiziellen CD. Im Olympiastadion spielten sie dann bei der Abschlussfeier, die für ein Millionenpublikum im Fernsehen übertragen wurde. - Jo Behrens war übrigens eine Zeit lang Begleitmusiker bei dem Kabarettisten Henning Venske.

Für den 26. Deutschen Evangelischen Kirchentag 1995 in Hamburg arbeitete Jochen Papke mit den Solosängerinnen Inga Rumpf und Bridget Fogle, einem großen Chor und einer Band. Es folgte ebenfalls eine CD-Produktion und 4 Auftritte, die im TV übertragen wurden.


6. Zusammentreffen von Jochen, Gerd und Jo

1994 - Video mit Jochen, Gerd und Jo

Die Wurzeln der "Octopus Garden Band" reichen weit zurück bis ins Jahr 1970. Hier im Film nun ein Wiedersehen 1994 der ehemaligen "BLURTZ"-Mitglieder Jochen und Jo sowie Gerd aus ihrem engeren Freundeskreis bei einer Privatfeier. Später waren diese drei dann der Kern, um den sich unsere heutige "Octopus Garden Band" gründete.

2017 - an gleicher Stelle der gleiche Song


7. "Rust Never Sleeps"

Sönke Dwenger, Wiebke Reißig-Dwenger und Uwe Hermann waren derweil ihrerseits auch stets musikalisch aktiv. So wie bei dem folgenden Beispiel mit der Band Rust Never Sleeps 2003 in Brunsbüttel.

"Rust Never Sleeps" 2003 in Brunsbüttel "Rust Never Sleeps" 2003 in Brunsbüttel

8. Die Gründung der "Octopus Garden Band"

Jochen Papke war es schließlich, der Anfang 2013 anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Bistros OCTOPUS in Büsum seine alten Mitstreiter und neue Musikerfreunde zusammentrommelte, um die "Octopus Garden Band" ins Leben zu rufen − daher auch der Bandname. Die ersten beiden Jahre war Uwe Hermann (heute bei Bad Weather Reloaded) dabei, sang besonders die Rolling Stones Stücke und spielte Keyboard. Sönke Dwenger, der die Sommerferien als Kind immer bei seinen Großeltern in Büsum verbracht hatte, kannte Papke von der Rockband Die Gesegneten Cordhosen und der St. Jürgen Blues Band, in der Sönke auch heute noch aktiv ist. Die Technik übernahm Volker "Peng" Jasper, ebenfalls "Büsumer Jung".

Sönke Dwenger 1977 Jochen Papke 1987
Sönke Dwenger 1977 und Jochen Papke 1987

Im Sommer 2015 stieß Tastenmann Harald Keller aus Hamburg zur Band. Mit ihm zusammen spielt Jo schon seit vielen Jahren in Hamburg in den verschiedensten Bands, momentan bei ROCKODEAL.

Wiebke Reißig-Dwenger singt im Background und manchmal auch als Lead-Sängerin.


Bildersammlung:

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Bild 1:   Die Seidel Brüder im "OCTOPUS" in Büsum

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